Eine Treppe plant man von oben nach unten: Die Geschosshöhe ist fest, alles andere leitet sich daraus ab. Dieser Ratgeber zeigt die Reihenfolge, in der Architekten und Treppenbauer vorgehen, mit einem durchgerechneten Beispiel für 2,75 m Geschosshöhe.
Die wichtigsten Begriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Geschosshöhe | Abstand von Oberkante Fertigfußboden unten bis Oberkante Fertigfußboden oben |
| Steigung s | Höhe von Stufe zu Stufe |
| Auftritt a | Waagerechte Tiefe, auf die man tritt, gemessen auf der Lauflinie |
| Lauflänge | Waagerechte Länge der Treppe von der ersten bis zur letzten Stufenvorderkante |
| Laufbreite | Nutzbare Breite der Treppe zwischen Wand und Handlauf bzw. Geländer |
| Lichte Durchgangshöhe | Freier Raum über den Stufen bis zur Decke, damit sich niemand den Kopf stößt |
Schritt 1: Geschosshöhe richtig messen
Gemessen wird immer von Fertigfußboden zu Fertigfußboden. Im Rohbau ist das eine typische Fehlerquelle: Estrich, Dämmung und Belag kommen unten und oben noch dazu und sind nicht immer gleich dick. Wer mit Rohbaumaßen rechnet, bekommt am Ende eine erste oder letzte Stufe, die höher oder niedriger ist als alle anderen. Genau das gilt als Stolperfalle.
In unserem Beispiel beträgt die Geschosshöhe 275 cm.
Schritt 2: Anzahl der Steigungen festlegen
Eine angenehme Steigung im Wohnhaus liegt zwischen etwa 17 und 18 cm. Teilt man die Geschosshöhe durch 17,5 cm und rundet, erhält man einen guten Startwert: 275 ÷ 17,5 = 15,7, also 16 Steigungen. Die genaue Steigung ist dann 275 ÷ 16 = 17,19 cm.
Wichtig: Alle Steigungen einer Treppe müssen gleich hoch sein. Deshalb rechnet man immer mit der exakten Geschosshöhe und lässt keine Stufe „ausgleichen“.
Schritt 3: Auftritt mit der Schrittmaßregel bestimmen
Die Schrittmaßregel verbindet Steigung und Auftritt mit der natürlichen Schrittlänge eines Erwachsenen von etwa 63 cm:
2 × s + a = 63 cm → a = 63 − 2 × 17,19 = 28,6 cm
Zur Kontrolle gibt es zwei weitere Faustregeln. Die Sicherheitsregel a + s sollte bei etwa 46 cm liegen (hier 45,8 cm), die Bequemlichkeitsregel a − s bei etwa 12 cm (hier 11,4 cm). Beide passen.
Schritt 4: Lauflänge prüfen und Varianten vergleichen
Eine Treppe hat immer einen Auftritt weniger als Steigungen, denn die letzte Stufe ist das obere Geschoss. Bei 16 Steigungen sind es 15 Auftritte, die gerade Lauflänge beträgt 15 × 28,6 cm = 4,29 m. Passt das nicht in den Grundriss, ändert man die Stufenzahl:
| Steigungen | Steigung s | Auftritt a | Lauflänge | Neigung |
|---|---|---|---|---|
| 15 | 18,3 cm | 26,3 cm | 3,69 m | 34,8° |
| 16 | 17,2 cm | 28,6 cm | 4,29 m | 31,0° |
| 17 | 16,2 cm | 30,6 cm | 4,90 m | 27,8° |
Weniger Stufen sparen Platz, machen die Treppe aber steiler. Reicht auch das nicht, ist eine viertel- oder halbgewendelte Treppe die übliche Lösung: Sie braucht weniger Länge, weil ein Teil der Stufen um die Ecke läuft.
Schritt 5: Mit der DIN 18065 abgleichen
Für baurechtlich notwendige Treppen, also Treppen, die Geschosse verbinden und als Rettungsweg dienen, legt die DIN 18065 Grenzmaße fest:
| Gebäude | Steigung s | Auftritt a |
|---|---|---|
| Wohngebäude mit bis zu 2 Wohnungen | 14–20 cm | 23–37 cm |
| Sonstige Gebäude | 14–19 cm | 26–37 cm |
| Baurechtlich nicht notwendige Treppen | 14–21 cm | 21–37 cm |
Alle drei Varianten aus Schritt 4 liegen innerhalb der Grenzen. Die Variante mit 15 Steigungen erreicht beim Auftritt mit 26,3 cm aber nur knapp das Minimum für sonstige Gebäude; dort bleibt kaum Spielraum für Bautoleranzen. Verbindlich sind die aktuelle Normfassung und die Bauordnung deines Bundeslands.
Schritt 6: Länge des Treppenlochs abschätzen
Über jeder Stufe muss eine lichte Durchgangshöhe von mindestens 2,00 m bleiben. Daraus ergibt sich, wie lang die Öffnung in der Decke sein muss. Eine verbreitete Faustformel lautet:
Länge ≈ (2,00 m + Deckendicke) ÷ s × a
Bei einer 22 cm dicken Decke: (200 + 22) ÷ 17,19 × 28,6 ≈ 3,70 m. Die Faustformel ersetzt keine Planung, zeigt aber früh, ob die Treppe zum Deckenfeld passt.
Häufige Planungsfehler
- Rohbaumaße statt Fertigmaße: führt zu einer abweichenden ersten oder letzten Stufe.
- Stufen ungleich hoch: schon wenige Millimeter Unterschied bringen den Gehrhythmus durcheinander.
- Kopfhöhe vergessen: Unterzüge und Deckenkanten über dem Treppenlauf früh prüfen.
- Zu steil für den Alltag: eine Neigung über etwa 37° spart Platz, wird aber schnell unbequem, gerade mit Einkaufstaschen oder im Alter.
Häufige Fragen
Wie viele Stufen hat eine Treppe bei 2,50 m Geschosshöhe?
Meist 14 Steigungen mit rund 17,9 cm. Daraus ergeben sich 13 Auftritte mit etwa 27,3 cm und eine gerade Lauflänge von rund 3,55 m.
Zählt man Stufen oder Steigungen?
Geplant wird mit Steigungen, also mit den Höhenschritten. Die Zahl der Auftritte ist immer um eins kleiner, weil man mit der letzten Steigung das obere Geschoss betritt.
Welche Steigung ist für ältere Menschen angenehm?
Flachere Treppen mit etwa 16 bis 17 cm Steigung und entsprechend tieferem Auftritt sind leichter zu gehen. Beidseitige Handläufe und gut sichtbare Stufenkanten helfen zusätzlich.
Brauche ich für eine neue Treppe eine Genehmigung?
Das hängt vom Vorhaben und vom Bundesland ab. Eine Treppe im Bestand zu ersetzen ist oft genehmigungsfrei, muss aber trotzdem die Bauordnung einhalten. Im Zweifel beim Bauamt oder bei einem Architekten nachfragen.